Wer bist du und was machst du?

Daniel Freitag: Gelernter Grafiker, heute Taschenfabrikant. Neugieriger Allrounder, geduldiger Vor- und Nachdenker im eigenen Betrieb mit Liebe zu Details. Zeitlich dominiert mein Fokus als Kreativ-Chef meinen Alltag. Die Rolle als Gründer, Repräsentant und Inhaber zwingt mich regelmässig zum Perspektivenwechsel.

Markus Freitag: Arbeit- und Ideengeber, Taschenmacher, LKW-Planen-Rekontextualisierer, Designer, Gründer, Entwickler, Repräsentant, manchmal Dilettant, Velofahrer, Vater und Snowboarder. Seit 1993 Angestellter im eigenen Betrieb als einer von zwei Creative Directors.

«Da ich bis heute noch nie Auto aber immer Velo gefahren bin, weiss ich, dass es im Leben eine robuste, wasserabweisende, funktionale Tasche braucht.»Markus Freitag

Eure Kindheitserinnerungen?

Markus: Wenn Alteisensammlung war, zogen wir mit dem Anhänger durch die Strassen und sammelten alte kaputte Fahrradteile ein, aus denen wir dann wieder funktionierende Velos zusammenbauten.
Da wir Brüder sind, hatten wir schon früh die Gelegenheit, unsere Zusammenarbeit inklusive Erfolg, Scheitern und Streit zu proben. Und noch heute arbeiten wir wie im Kinderzimmer: Am Anfang steht ein eigenes Bedürfnis, dann suchen wir nach Ideen, dabei versuchen wir, uns natürlich ständig zu übertreffen, und bei der Umsetzung macht jeder intuitiv das, was er am besten kann.
Als Kinder hatten wir immer eine lange Wunschliste. Dasjenige, was vom Weihnachtsmann nicht gebracht wurde, das haben wir uns dann kurzerhand mit eigenen Mitteln und Teamwork selber gebaut.

Daniel: Der Schopf und das Tobel. Wir sind in einem alten Bauernhaus aufgewachsen. Hinter dem Haus gab es einen Schopf (Schuppen), der bis unters Dach mit Altholz gefüllt war. Daraus liessen sich viele Bubenträume verwirklichen: Hütten, Flosse und Seifenkisten.
Neben dem Haus gab es ein Tobel – ein kleiner Wald mit Bach. Dort konnten wir abtauchen und uns austoben. Der Wald wurde zum Wilden Westen, zum Himalaya oder zum Dschungel.

Warum Seid Ihr Taschenmacher geworden?

Daniel: Taschen sind das Produkt, welches wir anbieten. In der Tasche steckt aber mehr. FREITAG ist für mich eine spannende Möglichkeit, Dinge zu verwirklichen, die mich bewegen. Das war 1993 der Fall und ist noch immer so.

Markus: Weil uns 1978 unser Vater gezeigt hat, wie ein Komposthaufen funktioniert, und es Spass macht, wenn man in Kreisläufen denkt und handelt. Dabei entstand die Einsicht, dass aus Abfall, im besten Fall, noch einmal etwas wird. Da ich bis heute noch nie Auto, aber immer Velo gefahren bin, weiss ich, dass es im Leben manchmal eine robuste, wasserabweisende, funktionale Tasche braucht.
Weil es 1993 in der Schweiz noch keine Fahrradkuriertaschen zu kaufen gab, entschied ich mich zusammen mit meinem Bruder, selber welche zu nähen.

«FREITAG ist für mich eine spannende Möglichkeit Dinge zu verwirklichen die mich bewegen. Das war 1993 der Fall und ist noch immer so.»Daniel Freitag

Wie sieht euer Alltag aus?

Daniel: Die Gedanken erwachen als Erstes, um 7 Uhr stehe ich dann auch auf. Der Versuch, am Weekend auszuschlafen, scheitert spätestens um 9 Uhr. Die Rolle als Vater endet wochentags mit einer 19-minütigen Fahrradfahrt um 8:46 Uhr in die Fabrikhalle im Nœrd. Die Gestaltung der Marke FREITAG und der Austausch mit dem Team sind so kurzweilig und spannend, dass der Wunsch nach einer 9-Tagewoche ernst gemeint ist: 6 Tage kreatives Denk- und Hand-Werken, dann 3 Tage Freizeit für Reisen, Bewegung und Begegnung.

Markus: Um 8:55 Uhr setze ich mir ein Tagesziel und spätestens um 17:55 Uhr mache ich mich daran, es umzusetzen. Bis 8:55 Uhr lese ich Zeitung, trinke Ovomaltine, fahre Velo oder streiche Butterbrote für meine beiden Töchter. Ab 18:55 Uhr koche ich das Abendessen, treffe Freunde, unterhalte meine Familie oder lasse mich von meiner Familie unterhalten. 6 Stunden Schlaf am Stück sind nicht zu viel, aber auch gerade genug.

Was sind eure Erfolgserlebnisse?

Daniel: Ich empfinde es als grossen Erfolg, dass unser erstes Taschenmodell seit der Lancierung im Herbst 1993 noch immer im Sortiment ist und nichts an Aktualität eingebüsst hat.

Was sind die Freuden bei der Arbeit?

Markus: Freude machen die Resultate, die Unikate, die Erfahrungen und immer wieder neue Projekte, doch vor allem macht mir der Austausch mit den Mitarbeitern und Geschäftspartnern Freude.

Welche Sorgen gibt es im Arbeitsalltag?

Markus: Eigentlich nur die eine Sorge, dass der Tag zu kurz ist, um alle Sorgen zu entsorgen.

Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit?

Daniel: Jeder, der sich ernsthaft mit dem Begriff Nachhaltigkeit auseinandersetzt, wird sehr schnell begreifen, dass dies nichts mit kurzfristigem Denken zu tun hat. Es gibt sinnvolle, kurzfristig umsetzbare ökologische Massnahmen, doch vieles muss ganzheitlich und langfristig angedacht werden. Ich bin überzeugt, dass dies für Umwelt und Gesellschaft von essenziellem Nutzen ist und sich diese Strategien auch auf breiter Front durchsetzen werden.

Welche Eigenschaften sind als FREITAG Bro. Unabdingbar?

Markus: Sich treu zu bleiben, das heisst auf dem Boden zu bleiben und verändernde Zusammenhänge und Umstände immer wieder neu zu begreifen, das grosse Ganze nicht aus den Augen zu verlieren und viel zu delegieren.

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