Die Geschichte eines Lastwagens und seinem atemlosen Leben am Rande der Mittellinie.

THE LOST HIGHWAY BAG

Big Buddy Blue vom Team Tumult, bestehend aus Frederic Siegel und Beni Morard aus der Schweiz, ist der dritte Film unserer FREITAG Erklär-Film-Reihe namens TARP BLANCHE. Mit traumwandlerischer Erzählsicherheit versetzt der Streifen den Zuschauer in die Haut eines Truckers und damit mitten in seine Träume, Albträume und Erlösungs-Taschen-Phantasien. Wenn David Lynch seine Filme gezeichnet und animiert hätte, würde er sie mit Team Tumult unterzeichnen und sein Lost Highway hiesse Big Buddy Blue.

 

TARP BLANCHE

Big Buddy Blue ist der dritte TARP BLANCHE F-ilm. In unserer Non-Commercial Initiative erzählen Animationskünstler aus aller Welt die Geschichte von FREITAG – From Truck Till Bag – aus ihrer ganz eigenen Perspektive. Wir freuen uns schon jetzt auf was noch folgt und darüber, was schon da ist.

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Das Team Tumult

Beni und Frederic sind Mitglieder des Schweizer Kreativ-Kollektivs Team Tumult. Beide haben an der Hochschule Luzern Animation studiert. Frederics Stärken liegen in der Illustration und im Sound-Design, während sich Beni eher in den Bereichen Animation und Produktion zu Hause fühlt – ein echtes Dreamteam.

Wovon handelt der Film?

Beni: Die grundlegende Idee des Films ist, dass hinter jeder FREITAG-Tasche eine Geschichte steckt, weil sie auch vor ihrer Zeit als Tasche schon ein Leben hatte. Wir wollten die Geschichte dieser einen Tasche erzählen, die bereits in ihrem früheren Leben Teil einer Beziehung war.

«Wir wollten die Geschichte von einer einzelnen FREITAG Tasche erzählen, die bereits in ihrem früheren Leben Teil einer Beziehung war.»

Wie gestaltet sich für gewöhnlich der Prozess bei euren Projekten?

Beni: Ausser, wenn jemand bereits eine Idee hat, beginnen wir ein neues Projekt in der Regel mit einem Brainstorming. Dann fangen wir an, alle Ideen, die wir so haben, zusammenzubringen. Damit wirklich eine Geschichte entsteht, müssen wir recht schnell mit dem Zeichnen beginnen. Also erstellen wir diese winzig kleinen Skizzen, sogenannte Thumbnails, die man absichtlich hässlich zeichnet, damit sie einem nicht zu sehr ans Herz wachsen.

Fredi: Und ausser denjenigen, die sie gezeichnet haben, kann diese Skizzen keiner lesen. Sie sind echt mies.

Beni: Ja, wirklich hässliche kleine Skizzen, die man überhaupt nicht gut findet. Dann schneidet man sie aus, heftet sie an eine Wand und versucht, damit wie bei einem Mosaik die Geschichte zu erschaffen. Das ist die erste Phase. Es beginnt schon, wie ein kleiner Comic auszusehen.

Und wie sieht der zweite Schritt aus?

Fredi: Normalerweise zeichnen wir einige Styleframes, die zeigen, wie der Film aussehen soll. Und wir entwerfen die Figuren: Wir arbeiten an ihrem Aussehen und daran, wie die Welt um sie herum aussieht. Gewöhnlich arbeite ich bei meinen Projekten mit einer sehr intensiven, aber reduzierten Farbpalette, die lediglich aus drei bis vier starken Farben besteht. Zu den ersten Schritten gehört es also auch, herauszufinden, welche Farben zusammenpassen. Dann hat man ein ganz eigenes Farbschema.

«Also erstellen wir diese winzig kleinen Skizzen, sogenannte Thumbnails, die man absichtlich hässlich zeichnet, damit sie einem nicht zu sehr ans Herz wachsen.»

Wie teilt ihr die Arbeit zwischen den verschiedenen Teammitgliedern auf?

Beni: Das ist einfach. Wir haben sehr unterschiedliche Fähigkeiten. Bei den Thumbnails und der Erarbeitung der Story arbeiten wir sehr eng zusammen. Dann erarbeite ich in der Regel ein saubereres Storyboard und einzelne Animatics, die wir zur Nachbearbeitung hin- und herreichen.

Fredi: Während er am Storyboard arbeitet, beschäftige ich mich mit Style-Fragen, dem Styleframe und den einzelnen Figuren. Eben mit allem, was mit Design zu tun hat. Trotzdem arbeiten wir gemeinsam daran. Ich mache einfach die ersten Schritte. Und dann geht das wie beim Pingpong.

Beni: Im Produktionsprozess können wir eigentlich beide die Aufnahmen animieren, aber Fredi ist sehr gut im Umgang mit komplexen Effekten, wenn sich alles bewegen und miteinander verschmelzen muss. Ich dagegen beschäftige mich eher mit der Animation der Figuren.

Was war eure bisher grösste Herausforderung?

Beni: Die Änderung der ursprünglichen Story. Das war eine grosse Wende, die erst recht spät kam. Wir hatten bereits eine Story im Kopf, als wir zum Animationsfilmfestival in Annecy fuhren. Auf dem Rückweg hatten wir dann aber eine neue Idee. Wir warfen alles über den Haufen und konzentrierten uns auf diese neue Idee.

Welcher Teil des Films gefällt dir am besten?

Beni: Mein Lieblingsteil ist der, in dem die Beziehung zwischen unserem Hauptdarsteller und seinem LKW deutlich wird. Darum geht es ja in unserem Film. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Charakteren. Man sieht, was sie gemeinsam durchmachen. Ich mag das positive Gefühl, das hier vermittelt wird.

Fredi: Ich mag die verrückten Szenen am liebsten. Es macht so viel Spass, diese zu animieren. Und ich sehe mir gern die endgültigen Aufnahmen an. Das macht mich wirklich glücklich.

«Ich mag die verrückten Szenen am liebsten. Es macht so viel Spass, diese zu animieren. Und ich sehe mir gern die endgültigen Aufnahmen an. Das macht mich wirklich glücklich.»

Was war an diesem Projekt im Vergleich zu euren sonstigen Arbeiten anders?

Fredi: Für uns ist es immer toll, wenn wir künstlerische Freiheit haben. Das war wirklich cool. Die Auftraggeber wissen überhaupt nicht, was sie am Ende bekommen. Wir freuen uns, dass sie uns diese Freiheit für unsere Arbeit gegeben haben.

Beni: Es ist sehr ungewöhnlich, so viel Freiheit zugestanden zu bekommen. Wie eine Carte Blanche – im Grunde das Coolste, was man als Künstler haben kann. Das sollte viel häufiger der Fall sein.

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