Viele unserer Kleider stammen aus biologischer Herstellung, gefärbt werden sie aber dennoch mit chemischen Stoffen. Caroline Fourré will das ändern.

Sie testete zwei Monate lang. Karotten funktionierten nicht. Auch Artischocken und Randen waren keine gute Idee. Daheim in ihrer Küche kochte sie Gemüse ein, und danach tauchte sie Stoffproben in die übriggebliebene Flüssigkeit. Eine positive Überraschung war die Schale der Avocado, diese färbte den Stoff lachsrosa. Aus Granatapfel wurde gelb, aus Rotkohl blau. Caroline Fourré schrieb ihre Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) zum Thema des Textilfärbens mit Essensresten. Die Arbeit wurde mit der Bestnote bewertet. Angefangen hatte alles mit Safran:

Fourré stammt ursprünglich aus Yverdon-les-Bains und hat dann in Biel studiert, wo sie fasziniert war von der Zweisprachigkeit. Für ihre Hochschulausbildung wählte sie in der Deutschschweiz den Studiengang Style und Design an der ZHDK. Während ihren Recherchen zum Textilfärben suchte sie in Zürich nach jenen Abfällen, die in grossen Mengen vorhanden sind. Denn die natürliche Färbung, etwa mit bestimmten Blumen und Wurzeln, gibt es bereits – allerdings sind das kleinere Produktionen. Fourré hingegen wollte herausfinden, ob diese Art der Färbung auch industriell möglich ist. Denn die Idee war, später Kleider in grossen Mengen färben zu können. Woher kommen nun die vielen Essenreste, Frau Fourré?

Aber damit ist die Arbeit noch nicht getan. Avocadoschalen etwa, die dieses hübsche Rosa ergeben, müssen innerhalb von 48 Stunden ausgekocht werden. Zu ihrer Enttäuschung fand Fourré heraus, dass man die Schalen nicht einfrieren kann, da sie dann kaum mehr färben. Und lange erhalten kann man die Flüssigkeit auch nicht, denn spätestens nach einer Woche beginnt sie fürchterlich zu stinken. Wozu diese viele Arbeit? Ist denn die Chemie so schlimm?

Aber es gibt doch auch weniger schädliche Farbstoffe, und es gibt zudem Schutzkleidung, die diese Gefahr eindämmen sollte.

Interessiert sich überhaupt jemand für Kleider in Chicorée-Grün und Zwiebel-Gold? Fourré lässt Crowdfunding diese Frage beantworten. In einem ersten Test produziert sie eine Kollektion an quadratischen Seidentüchern in drei Farben, die Männer als Einstecktuch ihres Anzuges benützen können, oder Frauen als Schal. Dies sei eine Art Markttest, sagt sie, um zu sehen, ob dieses Produkt überhaupt einen Absatz findet.

Sollte dies der Fall sein, kommt als nächstes die Forschung zum Zug. Das Ziel wäre, die Farbstoffe haltbar zu machen, sei es Pulver oder flüssig. Ein Beitragsgesuch dafür an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ist bereits deponiert.

Wieso unterstützt FREITAG dieses Projekt?

Was den einen Abfall ist, ist den anderen Inspiration. Der unkonventionelle Umgang mit Ressourcen gefällt uns. Er kann dazu führen, dass man gebrauchte LKW-Planen als Ausgangsmaterial für Taschen verwendet. Oder Pflanzenschalen als Ausgangsmaterial für Färbemittel. Mit ihrem Projekt «Local Colours» arbeitet Caroline Fourré kompromisslos an einer vollkommen natürlichen Antwort auf die Fragen, die von der Färbemittel-Industrie aufgeworfen werden – einer Branche, die normalerweise mit der ganz grossen chemischen Keule anrichtet. F-iel Glück beim Crowdfunden!

DAS PROJEKT BEI WEMAKEIT